Blog · Juli 2026 · Lesezeit ~5 Minuten

Google Ads selber machen oder Agentur? Die ehrliche Entscheidungslogik

Wenn eine Agentur ehrlich ist, müsste ihre Antwort auf diese Frage öfter lauten: „Machen Sie es selbst.“ Ich sage das in Erstgesprächen regelmäßig — nicht aus Bescheidenheit, sondern weil die Rechnung in manchen Fällen schlicht nicht aufgeht. Hier ist die Entscheidungslogik, die ich dabei anwende. Sie hängt fast vollständig an zwei Größen: Ihrem Monatsbudget und Ihrer Zeit.

Unter 500 € Budget im Monat: sparen Sie sich die Agentur — auch meine

Bei kleinen Budgets frisst jede professionelle Betreuung den Hebel auf, den sie schaffen soll. Wer 300 € im Monat an Google zahlt und daneben mehrere hundert Euro an eine Agentur, hat seine Werbekosten verdoppelt, bevor der erste Klick besser geworden ist. Damit sich das rechnet, müsste die Agentur die Wirkung des Budgets mehr als verdoppeln — das schafft bei einem ordentlich aufgesetzten Konto niemand seriös.

Das gilt ausdrücklich auch für mich: Mein eigenes Minimum liegt bei 497 € im Monat. Bei 300 € Werbebudget wäre die Betreuung teurer als die Werbung selbst. Das ergibt keinen Sinn, und ich nehme solche Aufträge nicht an.

Meine Empfehlung für diesen Fall: selbst machen, aber mit engem Rahmen. Eine kleine, überschaubare Kampagnenstruktur. Exakte Keywords statt breiter Übereinstimmung — bei kleinem Budget können Sie sich Streuverlust am wenigsten leisten. Und eine feste Routine: einmal pro Woche 30 Minuten den Suchbegriffs-Bericht durchgehen und Unpassendes ausschließen. Wenn Ihnen selbst das zu viel ist, ist die ehrlichere Entscheidung, den Kanal ganz zu lassen — ein unbeaufsichtigtes Konto mit kleinem Budget produziert vor allem Kosten.

500 bis 2.000 € im Monat: die Grauzone

Hier gibt es keine pauschale Antwort. Selbermachen funktioniert in diesem Bereich nachweislich — aber nur, wenn drei Dinge zusammenkommen:

  1. Zeit. Realistisch 3 bis 5 Stunden im Monat — und zwar echte Kontoarbeit: Suchbegriffe prüfen, Anzeigen vergleichen, Gebote und Budgets nachjustieren. Nicht: Dashboards anschauen und sich gut oder schlecht fühlen.
  2. Lernbereitschaft. Google Ads ändert sich laufend — Übereinstimmungstypen, Smart Bidding, automatische Empfehlungen. Wer 2021 mal einen Kurs gemacht hat und seitdem nichts nachgelesen hat, arbeitet mit veralteten Annahmen.
  3. Disziplin zur Wochenroutine. Der mit Abstand häufigste Selbstmacher-Fehler ist nicht fachlicher Natur: Das Konto wird engagiert eingerichtet, läuft — und dann schaut monatelang niemand mehr hinein. Genau in dieser Zeit entstehen die Lecks, die ich in übernommenen Konten immer wieder finde: die fünf häufigsten habe ich hier beschrieben, mit Sofort-Checks zum Selbertesten.

Fehlt eine der drei Zutaten dauerhaft, kippt die Rechnung Richtung Betreuung. Sind alle drei da, spricht in dieser Budgetklasse wenig gegen das Selbermachen — außer vielleicht, dass Ihre Stunden woanders mehr wert sind. Das können aber nur Sie beurteilen, nicht ich.

Ab etwa 2.000 € im Monat: jetzt kosten Fehler mehr als Betreuung

Ab dieser Größenordnung dreht sich das Verhältnis. Nicht, weil das Konto plötzlich kompliziert wäre — sondern weil derselbe prozentuale Fehler in absoluten Euro größer wird als die Betreuungskosten.

Ein Rechenbeispiel (bewusst als Beispiel gekennzeichnet, Ihre Zahlen sehen anders aus): Angenommen, in einem selbst geführten Konto mit 3.000 € Monatsbudget laufen 20 % der Ausgaben in unpassende Suchanfragen, schwache Netzwerke und nie überprüfte Anzeigen. Das sind 600 € pro Monat, die praktisch nichts zurückbringen — mehr, als eine Betreuung dieses Kontos bei mir kosten würde (15 % von 3.000 € wären 450 €, es greift also das Minimum von 497 €). Die Betreuung müsste den Streuverlust nicht einmal vollständig beseitigen, um sich zu tragen — und sie tut ja mehr als das.

20 % sind dabei keine Übertreibung nach oben. In vernachlässigten Konten finde ich regelmäßig mehr; in gut selbst gepflegten auch deutlich weniger. Der Punkt ist ein anderer: Je größer das Budget, desto teurer wird jeder Monat, in dem niemand mit ausreichend Zeit und Erfahrung im Konto arbeitet. Was Betreuung am Markt üblicherweise kostet und welche Abrechnungsmodelle es gibt, habe ich in einem eigenen Artikel aufgeschlüsselt.

Die Entscheidung auf einen Blick

MonatsbudgetZeit vorhanden? (3–5 Std./Monat, jede Woche)Meine Empfehlung
unter ~500 €jaSelbst machen — enger Rahmen, exakte Keywords, Wochenroutine
unter ~500 €neinKanal lassen — Agentur lohnt hier fast nie
~500–2.000 €jaSelbst machen — mit Lernbereitschaft und Disziplin
~500–2.000 €neinBetreuung prüfen — oder Budget nicht weiter erhöhen
ab ~2.000 €jaBeides vertretbar — ehrlich rechnen, was Ihre Zeit kostet
ab ~2.000 €neinBetreuung — Fehler kosten hier mehr als die Begleitung

Faustregeln, keine Naturgesetze. Die Budgetgrenzen verschieben sich mit Ihrer Marge und Ihrem Wettbewerbsumfeld — in teuren Auktionen (Recht, Finanzen, B2B-Software) liegt die Schwelle eher niedriger.

Was nicht in die Rechnung gehört

„Agentur ist besser als selber machen“ ist keine Naturkonstante. Eine schlechte Agentur ist teurer als engagiertes Selbermachen — Sie zahlen dann doppelt: die Betreuungsgebühr und den Streuverlust, den niemand behebt.

Woran Sie schlechte Betreuung erkennen? Am zuverlässigsten daran, dass die Arbeit im Konto fehlt. Öffnen Sie den Änderungsverlauf Ihres Kontos für die letzten 60 Tage. Wenn dort außer automatischen Anpassungen kaum etwas steht, während Sie monatlich Reports mit vielen Folien bekommen, wird an der falschen Stelle gearbeitet. Hochglanz-Reporting verhindert keinen einzigen Fehlklick — nur die unspektakuläre Wochenarbeit im Konto tut das. Dieselbe Prüfung gilt übrigens für Sie selbst als Selbermacher: Ein leerer Änderungsverlauf ist ein leerer Änderungsverlauf, egal wer nicht gearbeitet hat.

Umgekehrt gehört die Angst, ohne Agentur „etwas Wichtiges zu verpassen“, nur zur Hälfte in die Rechnung. Die Grundmechanik von Google Ads ist lernbar — was eine gute Betreuung liefert, ist kein Geheimwissen, sondern Zeit, Routine und die Erfahrung, Fehler schneller zu sehen. Aber ein Teil dieser Angst ist berechtigt: Google ändert die Spielregeln regelmäßig und gern ohne große Ankündigung. Ein Beispiel aus meiner Praxis: Als Google 2020 die Suchbegriffs-Berichte drastisch ausdünnte, kam die Umstellung zuerst in den USA an. Ich hatte das über einen amerikanischen Fach-Newsletter mitbekommen — und die verbleibenden Tage genutzt, um für alle meine Kunden die noch vollständigen Suchbegriffs-Berichte zu sichern, bevor die Daten auch in Europa verschwanden. Keine Zauberei. Aber ohne das Newsletter-Abo hätte ich davon erst erfahren, als es zu spät war.

Wenn Sie selber machen, heißt das konkret: Abonnieren Sie zwei, drei gute Fach-Newsletter (meinen finden Sie unten auf dieser Seite) und lesen Sie sie tatsächlich. Am Ball zu bleiben ist der Teil der Agentur-Leistung, den Sie am leichtesten selbst ersetzen können — aber er gehört mit auf Ihre Zeitrechnung.

Wenn Sie unsicher sind, in welchem Fall Sie stecken

Dann klären wir das in einem Erstgespräch — 30 Minuten, kostenlos. Ich sage Ihnen ehrlich, was ich an Ihrer Stelle täte. Auch dann, wenn die Antwort „selber machen“ lautet: Sie bekommen in dem Fall die Punkte mit, auf die Sie wöchentlich schauen sollten, und wir gehen ohne schlechtes Gewissen auseinander. Kunden, die eigentlich keine Agentur brauchen, sind keine guten Kunden — für niemanden.

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