Blog · Juli 2026 · Lesezeit ~5 Minuten
Wem gehört mein Google-Ads-Konto? Was beim Agenturwechsel wirklich zählt
Der Klassiker läuft so ab: Die Zusammenarbeit mit der Agentur endet — im Guten oder im Streit — und erst jetzt stellt sich heraus, dass das Google-Ads-Konto nie dem Unternehmen gehörte. Die Agentur hat es damals angelegt, unter ihrer E-Mail-Adresse, in ihrem Verwaltungskonto. Der Kunde hat jahrelang die Rechnungen bezahlt und kommt trotzdem nicht ran. Ich sehe diese Situation regelmäßig bei Übernahme-Anfragen, und sie ist deshalb so ärgerlich, weil mit dem Konto mehr verloren geht als ein Login: die komplette Änderungshistorie, alle Conversion-Daten, der Lernstand des Smart Biddings und die über Jahre aufgebauten Qualitätsfaktoren. Das ist der eigentliche Wert eines gepflegten Kontos — und er ist nicht übertragbar auf ein neues.
Die gute Nachricht: Ob Sie betroffen sind, lässt sich in fünf Minuten prüfen. Und in den meisten Fällen ist die Lage besser, als sie im ersten Moment aussieht.
So prüfen Sie in 5 Minuten, wie Ihr Konto aufgehängt ist
Loggen Sie sich in Ihr Google-Ads-Konto ein — falls Sie überhaupt einen eigenen Zugang haben. Dann klären Sie vier Fragen:
- Wer hat Administratorzugriff? Unter Verwaltung → Zugriff und Sicherheit sehen Sie alle Nutzer und ihre Rollen. Entscheidend ist die Rolle „Administrator“: Nur wer sie hat, kann Nutzer verwalten und Verknüpfungen lösen. Steht dort nur die Agentur? Dann haben Sie ein Thema.
- Läuft das Konto unter einem Agentur-Verwaltungskonto (MCC)? Im selben Bereich finden Sie die verknüpften Verwaltungskonten. Eine MCC-Verknüpfung ist völlig normal und für sich genommen kein Problem — so arbeite ich auch. Kritisch wird es erst in Kombination mit fehlendem eigenem Adminzugriff.
- Wem gehört das Zahlungsprofil? Schauen Sie in die Abrechnungseinstellungen: Läuft die Zahlung über Ihre Firmendaten und Ihre Kreditkarte — oder rechnet die Agentur mit Google ab und stellt Ihnen das Budget weiter in Rechnung? Letzteres ist ein Modell mit eigenen Fallstricken, denn dann hängt auch die Zahlungsbeziehung an der Agentur.
- Auf welche E-Mail-Adresse läuft der Admin? Wenn der einzige Administrator eine Adresse der Agentur ist, kontrolliert faktisch die Agentur das Konto — egal, was im Vertrag steht.
Wenn Sie gar keinen eigenen Login haben und die Antworten nicht selbst nachschauen können, ist das bereits die wichtigste Erkenntnis dieses Checks.
Die drei typischen Konstellationen
In der Praxis begegnen mir fast immer dieselben drei Varianten:
| Konstellation | Sie haben Adminzugriff? | Bewertung |
| A: Konto gehört Ihnen, Agentur ist per MCC verknüpft | Ja | Sauber. Beim Agenturwechsel lösen Sie die Verknüpfung, das Konto bleibt mit allem Verlauf bei Ihnen. |
| B: Konto liegt im Agentur-MCC, Sie haben eigenen Adminzugriff | Ja | In Ordnung. Sie können jederzeit alles einsehen und die MCC-Verknüpfung im Zweifel selbst trennen. |
| C: Konto wurde von der Agentur angelegt, Sie haben keinen oder nur eingeschränkten Zugriff | Nein | Der Problemfall. Faktisch kontrolliert die Agentur Konto, Daten und Historie. |
Meine Beobachtung aus Übernahme-Anfragen: Konstellation C entsteht selten aus Bosheit, sondern meistens aus Bequemlichkeit beim Start — „wir legen das schnell für Sie an“. Das Problem zeigt sich erst Jahre später beim Wechsel.
Was tun im Problemfall?
Erstens: freundlich Administratorzugriff anfordern. Bitten Sie die Agentur, eine E-Mail-Adresse Ihres Unternehmens als Administrator einzuladen. Seriöse Agenturen erledigen das sofort und kommentarlos — auch während einer laufenden Kündigungsfrist. Wie eine Agentur auf diese simple Bitte reagiert, sagt viel darüber, mit wem Sie es zu tun haben.
Zweitens: den Vertrag prüfen. Was steht dort zum Konto und zu den Daten nach Vertragsende? Manche Verträge regeln das sauber, manche gar nicht, manche zugunsten der Agentur. Ich bin kein Jurist, und das hier ist ausdrücklich keine Rechtsberatung — wenn die Agentur mauert und es um ein Konto mit substanzieller Historie geht, lassen Sie die Vertragslage anwaltlich klären, bevor Sie etwas unterschreiben oder eskalieren.
Drittens: das Neustart-Szenario ehrlich bewerten. Manchmal ist das Konto nicht zu retten. Dann hilft ein nüchterner Blick darauf, was wirklich verloren geht — und was nicht:
- Verloren: die Änderungshistorie, die im Konto gemessenen Conversion-Daten, der Lernstand der Gebotsautomatik, die aufgebauten Qualitätsfaktoren. Ein neues Konto braucht erfahrungsgemäß einige Wochen, bis das Bidding wieder rund läuft.
- Nicht verloren: Ihre Website samt Tracking, Ihr Wissen darüber, welche Keywords, Anzeigen und Regionen funktioniert haben — sofern Sie Exporte oder Reports besitzen. Fordern Sie deshalb noch während der Zusammenarbeit regelmäßig Daten-Exporte an, nicht erst beim Abschied.
Ein erzwungener Neustart ist ärgerlich und kostet Anlaufzeit, aber er ist kein Weltuntergang. Ich habe Konten neu aufgebaut, die nach wenigen Monaten besser liefen als das alte — weil der Neuaufbau die Gelegenheit war, Altlasten wegzulassen.
Prävention: so entsteht das Problem gar nicht erst
Die Lösung ist banal: Legen Sie das Konto immer selbst an — oder lassen Sie es unter einer E-Mail-Adresse Ihres Unternehmens anlegen — und geben Sie der Agentur dann Zugriff per MCC-Verknüpfung. Das ist der von Google vorgesehene Weg für Agentur-Zusammenarbeit, kostet keine fünf Minuten mehr und stellt sicher, dass Konto, Daten und Historie bei einem Wechsel bei Ihnen bleiben.
Bei mir ist das Standard, ohne dass jemand danach fragen muss: Das Konto gehört immer dem Kunden, ich verknüpfe lediglich mein Verwaltungskonto. Endet die Zusammenarbeit, löse ich die Verknüpfung — und der Kunde verliert nichts außer meiner Arbeitszeit. Alles andere wäre ein Abhängigkeitsverhältnis, das keine der beiden Seiten braucht.
Wenn Sie ohnehin über einen Wechsel nachdenken: Die weiteren Schritte — von der Übergabe der Zugänge bis zum Tracking — habe ich in der Checkliste zum Agenturwechsel zusammengefasst.
Unsicher, wie Ihr Konto aufgehängt ist?
Wenn Sie nach dem 5-Minuten-Check nicht sicher sind, was Sie da sehen — oder gar keinen Zugang haben, um nachzuschauen: Im Erstgespräch (30 Minuten, kostenlos) schaue ich mir mit Ihnen an, wie Ihr Konto aufgehängt ist, und sage Ihnen ehrlich, ob es ein Problem gibt und was der sauberste Weg heraus wäre.